Beratung als strategische Vorstufe zum Management-System.
Eine Compliance-Beratung beantwortet drei Fragen, bevor das Management-System gebaut wird. Welche Vorschriften gelten überhaupt für Ihr Unternehmen, welche Geschäftsprozesse berühren sie, in welcher Reihenfolge sollten die Maßnahmen angegangen werden. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich ein CMS so konzipieren, dass es zur tatsächlichen Risikolage Ihres Hauses passt.
Methodisch greift die Beratung auf die Pflicht zur Risiko-Früherkennung zurück, die seit dem KonTraG 1998 in § 91 Abs. 2 AktG verankert und durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs analog auf Geschäftsführer einer GmbH übertragen ist. Die Geschäftsleitung muss in der Lage sein, bestandsgefährdende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie zum Vorfall werden.
Eine strukturierte Bestandsaufnahme der Compliance-Risiken ist die belegbare Erfüllung dieser Pflicht und gleichzeitig die methodische Grundlage für den späteren CMS-Aufbau. Wer ohne Beratungs-Vorlauf direkt in den System-Aufbau geht, landet häufig bei einem überdimensionierten Programm, das jede Compliance-Insel pflegt, oder bei einem unvollständigen System, das die kritischen Felder nicht abdeckt.
„Der Vorstand hat geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden.“
§ 91 Abs. 2 AktG · Risiko-Früherkennungspflicht (KonTraG, 1998)
Wann wir Sie mit Compliance-Beratung unterstützen können.
Mittelständische Unternehmen entscheiden sich typischerweise erst durch eine konkrete Konstellation für eine Compliance-Beratung. Drei treten regelmäßig auf. Wenn eine davon auf Ihr Unternehmen zutrifft, ist eine strukturierte Bestandsaufnahme der nächste sinnvolle Schritt.
01
Regulatorischer Druck
Neue Pflichten greifen für Ihr Unternehmen
Hinweisgeberschutz, NIS2, DSA, neue Geldwäsche-Pflichten oder branchenspezifische Anforderungen. Der Strom neuer Vorschriften reißt nicht ab. Wer überblickt, welche Regelungen wann greifen und was sie konkret verlangen, gewinnt Handlungssicherheit und vermeidet hektische Last-Minute-Anpassungen.
02
Reaktiver Anlass
Ein Vorfall hat strukturelle Lücken offengelegt
Ein Mitarbeiter-Vorfall, eine Datenschutz-Beschwerde, eine Betriebsprüfung oder ein Lieferanten-Audit hat Schwachstellen aufgezeigt. In dieser Konstellation geht es um das Wie und um die Reihenfolge, in der die Maßnahmen aufgesetzt werden, damit der nächste Vorfall nicht denselben Weg findet.
03
Skalierungs-Anlass
Aus dem Bauchgeschäft wird ein strukturiertes Unternehmen
Mit der Größe ändert sich die Aufsichtstiefe. Was bei 20 Mitarbeitenden über kurze Wege funktioniert, braucht ab 50 oder 100 schriftliche Richtlinien, dokumentierte Prozesse und benannte Verantwortliche. Compliance-Beratung gibt der organischen Skalierung eine belastbare Struktur, bevor die ersten Risse sichtbar werden.
Drei Phasen, vom ersten Mapping bis zum Compliance-Fahrplan.
Bevor wir einzelne Maßnahmen umsetzen, klären wir gemeinsam, was überhaupt für Ihr Unternehmen relevant ist. Der strukturierte Workshop-Prozess gliedert sich in drei Phasen, die in einem mehrstufigen Termin-Setting oder in einem konzentrierten Zwei-Tages-Workshop bearbeitet werden. Welches Format passt, ergibt sich aus Unternehmens-Größe und der Tiefe der vorhandenen Dokumentation.
Anwendungs-Bereiche identifizieren
Welche Gesetze, Vorschriften, branchenspezifischen Standards und internen Richtlinien gelten überhaupt für Ihr Unternehmen? Wir erarbeiten gemeinsam die Lang-Liste der relevanten Themenfelder, vom Datenschutz über Geldwäsche-Prävention bis hin zu branchenspezifischen Vorschriften.
Prozess-Landschaft kartieren
Welche Geschäftsprozesse berührt jede dieser Anforderungen? Wo entstehen Risiken, wo bestehen bereits Kontrollen, wo ist die Aufstellung lückenhaft? Wir mappen die Compliance-Themen auf Ihre tatsächlichen Abläufe, also konkret an Ihren Prozessen statt abstrakt auf Standard-Schaubildern.
Risiko-Priorisierung und Fahrplan
Welche Lücken haben den größten Hebel und müssen zuerst geschlossen werden? Wir gewichten nach Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadenshöhe und regulatorischer Verbindlichkeit. Ergebnis ist ein priorisierter Compliance-Fahrplan mit Quartalen, Verantwortlichen und Meilensteinen.
Was Sie nach der Beratung konkret in der Hand haben.
Die Compliance-Beratung mündet in vier Arbeitsdokumenten, die zusammen den Compliance-Fahrplan bilden. Sie sind die operative Grundlage für die Geschäftsleitung, für ein Aufsichtsgremium und für den anschließenden CMS-Aufbau. Verbindlich, schriftlich, mit konkreten Quartalen und Verantwortlichen.
01
Output
Compliance-Themen-Landkarte
Strukturierte Übersicht aller für Ihr Unternehmen relevanten Compliance-Themenfelder, abgeleitet aus Branche, Größe, Geschäftsmodell und konkretem Anlass. Mit Begründung, warum bestimmte Felder relevant sind und welche typischerweise auftretenden Felder im konkreten Fall nicht greifen.
02
Output
Risiko-Bewertung mit Heatmap
Bewertung jedes identifizierten Risikos nach Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadenshöhe und regulatorischer Verbindlichkeit. Visualisierung in einer Heatmap, die den Handlungsdruck pro Themenfeld auf einen Blick sichtbar macht und die Diskussionsgrundlage für Aufsichtsgremien liefert.
03
Output
Priorisierter Maßnahmen-Backlog
Konkrete Maßnahmen je Themenfeld, geordnet nach Priorität, mit Quartal, geschätztem Aufwand und vorgeschlagenen Verantwortlichen. So wird aus dem strategischen Bild ein operativer Arbeitsplan, der unmittelbar starten kann.
04
Output
Standards- und Aufwands-Empfehlung
Empfehlung, ob ein vollwertiges CMS nach IDW PS 980 oder ISO 37301 sinnvoll ist oder eine selektive Umsetzung mit punktuellen Mandaten genügt. Mit realistischem Aufwands-Korridor für den nächsten Schritt — Zeit, Personen-Tage, externe Kosten.
Beispiel-Auszug aus einem realen Mandat.
So sieht das Compliance-Register typischerweise nach einem Workshop aus. Der folgende Auszug stammt aus einem Beratungs-Mandat bei einem mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau-Unternehmen mit etwa 150 Mitarbeitenden. Themenfeld, konkrete Maßnahme, Rechtsgrundlage, Risiko-Bewertung und Bearbeitungs-Status, je Eintrag in einer Zeile. Mandant und Daten wurden anonymisiert.
Output 01 · Themen-Landkarte
Compliance-Register
| Themenfeld | Pflicht / Maßnahme | Rechtsgrundlage | Risiko | Status |
|---|---|---|---|---|
| Datenschutz | Externen Datenschutzbeauftragten benennen | DSGVO Art. 37 | hoch | offen |
| Datenschutz | Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten aktualisieren | DSGVO Art. 30 | mittel | erfüllt |
| Hinweisgeberschutz | Interne Meldestelle einrichten und Verfahren etablieren | HinSchG § 12 | hoch | offen |
| IT-Sicherheit | NIS-2-Selbst-Einstufung durchführen | NIS-2-RL Art. 3 | hoch | in Bearbeitung |
| Arbeitsschutz | Gefährdungsbeurteilung Maschinenfertigung aktualisieren | ArbSchG § 5 | mittel | in Bearbeitung |
| Produktsicherheit | CE-Konformität für neue Produktlinie sicherstellen | ProdSG, MaschRL | mittel | erfüllt |
| Anti-Korruption | Geschenke- und Einladungs-Richtlinie schriftlich fassen | StGB §§ 299 ff. | mittel | offen |
| Steuer-Compliance | Verfahrensdokumentation nach GoBD erstellen | AO § 146, GoBD | mittel | in Bearbeitung |
| Lieferkette | LkSG-Anwendbarkeit prüfen (Schwellenwert) | LkSG § 1 | niedrig | nicht relevant |
| Geldwäsche | Anwendbarkeit Verpflichteten-Status prüfen | GwG § 2 | niedrig | nicht relevant |
Anonymisierter Auszug · 10 von 47 Einträgen sichtbar · Anhang im vollständigen Beratungs-Bericht enthalten
Vom Compliance-Fahrplan zum Management-System.
Die Compliance-Beratung ist nicht Selbstzweck. Sie liefert die strategische Grundlage für die operative Umsetzung — typischerweise den Aufbau eines vollwertigen Compliance-Management-Systems. Wer einen sauberen Fahrplan hat, kann das System gezielt aufbauen, statt überall gleichzeitig anzusetzen.
Nächster Schritt
Sobald der Fahrplan steht, beginnt der operative CMS-Aufbau — von der Pflicht-Struktur über Richtlinien-Set und Dokumentations-Schicht bis zur Zertifizierungs-Reife nach IDW PS 980 oder ISO 37301. Wir begleiten diese Phase in einem nachgelagerten Mandat. Mehr Details und konkrete Standards-Wahl auf der Seite zur Compliance-Management-System-Beratung.
So strukturieren wir die Beratung.
Vom Erstgespräch bis zum verbindlichen Compliance-Fahrplan vergehen je nach Unternehmens-Größe und Themen-Tiefe drei bis acht Wochen. Der Workshop selbst läuft in zwei bis vier Halbtagen oder als konzentrierter Zwei-Tages-Workshop, je nachdem, wie tief die vorhandene Dokumentation und die Bereitschaft Ihrer Schlüssel-Personen ist.
Erstgespräch & Auftragsklärung
Strukturierte Klärung Ihrer Ausgangslage — Unternehmens-Größe, Branche, vorhandene Compliance-Bausteine, konkreter Anlass für die Beratung. Ergebnis: Angebot mit Thementiefe, Workshop-Format und Honorarrahmen.
~1 Woche
Vorbereitung & Dokumenten-Sichtung
Vorab-Erhebung über strukturierten Fragebogen, Sichtung vorhandener Dokumente (Geschäftsordnungen, bestehende Richtlinien, Audit-Berichte). So beginnt der Workshop mit einer realistischen Bestandsaufnahme.
1–2 Wochen
Workshop-Durchführung
Strukturierter Workshop mit den drei Phasen: Anwendungsbereiche identifizieren, Prozess-Landschaft kartieren, Risiko-Priorisierung. Teilnehmende sind typischerweise Geschäftsleitung, Compliance-Verantwortliche und Schlüssel-Personen aus betroffenen Bereichen.
2–4 Halbtage
Compliance-Fahrplan
Schriftlicher Bericht mit priorisierten Maßnahmen, Verantwortlichen, Quartalen und Aufwandsschätzungen. Konkrete Übergabe an die Geschäftsleitung, optional Präsentation vor Aufsichtsgremium oder Beirat. Übergangspunkt zum CMS-Aufbau-Mandat.
1–2 Wochen
Was Mandantinnen und Mandanten häufig fragen.
Was unterscheidet die Compliance-Beratung von einem CMS-Aufbau?
Die Compliance-Beratung klärt strategisch, was für Ihr Unternehmen relevant ist. Sie liefert einen priorisierten Fahrplan, eine fundierte Themenlandkarte und eine realistische Aufwandseinschätzung — aber noch keine operativen Dokumente, Richtlinien oder Schulungs-Konzepte. Der CMS-Aufbau setzt dort an, wo die Beratung endet: Er übersetzt den Fahrplan in ein konsistentes Management-System mit Dokumentations-Struktur, Verantwortlichkeiten und gegebenenfalls Zertifizierungs-Reife nach IDW PS 980 oder ISO 37301.
In der Praxis ist die Reihenfolge fast immer: erst beraten, dann aufbauen. Wer sofort in den CMS-Aufbau geht, ohne die Bestandsaufnahme strukturiert vorab zu machen, landet typischerweise bei einem überdimensionierten oder unvollständigen System.
Wie lange dauert ein Compliance-Beratungs-Mandat?
Drei bis acht Wochen vom Erstgespräch bis zum verbindlichen Compliance-Fahrplan. Der Workshop selbst läuft in zwei bis vier Halbtagen oder als konzentrierter Zwei-Tages-Workshop. Unternehmen mit vorhandener Dokumentation und klarer Compliance-Verantwortlichkeit erreichen den unteren Rand des Korridors; Unternehmen ohne vorhandene Bausteine bewegen sich tendenziell am oberen Ende.
Müssen wir alle Themenfelder gleichzeitig abdecken?
Nein, die Priorisierung ist der zentrale Punkt der Beratung. In jedem Unternehmen gibt es drei bis fünf Themenfelder mit hohem Risiko und gleichzeitig hoher regulatorischer Verbindlichkeit; diese werden zuerst angegangen. Andere Themenfelder folgen in Quartalen, je nach Hebel und Aufwand. Der Fahrplan macht diese Priorisierung explizit, statt sie dem Zufall oder dem Tagesgeschäft zu überlassen.
Brauchen wir nach der Beratung zwingend ein vollständiges CMS?
Nein. Die Compliance-Beratung kann auch in eine selektive Umsetzung münden — etwa wenn nur einzelne Themenfelder dringend sind und die Geschäftsleitung kein flächendeckendes Management-System aufbauen möchte. In dieser Konstellation begleiten wir punktuelle Maßnahmen, zum Beispiel den Aufbau einer Meldestelle nach HinSchG oder die Bestellung eines externen Datenschutzbeauftragten, ohne den Anspruch eines zertifizierungs-reifen CMS.
Ein vollwertiges CMS lohnt sich typischerweise ab einer gewissen Unternehmens-Größe oder wenn externer Druck besteht — etwa durch Konzernmütter, Großkunden, Versicherer oder regulatorische Aufsicht.
Was kostet die Beratung?
Pauschalpreis je nach Unternehmens-Größe, Themen-Tiefe und Workshop-Format. Für ein typisches mittelständisches Unternehmen mit klarer Anlasskonstellation, fünf bis acht relevanten Themenfeldern und einem Zwei-Tages-Workshop bewegen wir uns im mittleren bis höheren vierstelligen Bereich, inklusive Fahrplan-Dokumentation. Eine konkrete Größenordnung nennen wir gerne im Erstgespräch, sobald wir die Ausgangslage und den Anlass kennen.
Wie schwer ist das Thema für ein Unternehmen ohne eigenes Compliance-Personal?
Genau dafür ist die externe Beratung gedacht. In mittelständischen Unternehmen gibt es typischerweise keine eigene Compliance-Abteilung, sondern eine geteilte Verantwortung zwischen Geschäftsleitung, Personalabteilung, IT und Recht. Wir bringen die methodische Struktur und das Themen-Wissen mit, Ihre Schlüssel-Personen liefern das interne Prozess-Wissen. Aus dieser Kombination entsteht der belastbare Fahrplan, ohne dass Sie vorab eigenes Compliance-Personal aufbauen müssen.
Was passiert, wenn wir im Workshop akute Lücken aufdecken?
Wenn im Workshop akute Risiken sichtbar werden, die nicht bis zum CMS-Aufbau warten können, sprechen wir das ausdrücklich an und priorisieren entsprechende Sofort-Maßnahmen im Fahrplan. Beispiele dafür sind eine fehlende Meldestelle bei einem Unternehmen mit über 50 Mitarbeitenden oder eine nicht erfüllte DSGVO-Pflicht. Auf Wunsch übernehmen wir die unmittelbare Umsetzung in einem separaten Mandat, beispielsweise die Einrichtung einer externen Meldestelle oder die Bestellung eines externen Datenschutzbeauftragten.
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